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Ethos & Polis Newsletter vom 26.10.2026

Drei Analysen zu DITIB, VIKZ und den zwei Öffentlichkeiten der Verbände, der Start der Videoreihe Behind the Feed und die Einordnung muslimischer Akteure.
Veröffentlichungsdatum

26. Oktober 2026

Editorial

In den vergangenen Wochen haben mich auffallend viele Anfragen zu der Frage erreicht, wie man die großen türkisch geprägten Verbände heute einschätzen soll, wenn man mit ihnen zusammenarbeiten, sie fördern oder über sie berichten will. Dass alle drei Beiträge seit dem letzten Newsletter in dieses Feld gehören, hat mit diesen Anfragen zu tun.

Heute erscheint „Die zweite Öffentlichkeit“, auch als Impulspapier zum Herunterladen. Darin analysiere ich, was IGMG, DITIB und ATİB auf ihren Websites veröffentlichen und in welcher Sprache sie es tun, weil sich daran ablesen lässt, wen ein Verband für seine Öffentlichkeit hält. In der vergangenen Woche ging es um den neuen DITIB-Vorsitzenden, den die EKD in Hannover empfangen hat, sowie um die Ermittlungen in Ankara gegen die Süleymancı-Gemeinschaft, deren Folgen auch die Runden Tische und Beiräte erreichen, in denen der VIKZ sitzt.

Außerdem hat die Videoreihe Behind the Feed begonnen, an der ich im Projekt Digitale Resilienz der Alhambra Gesellschaft mitarbeite. Weil viele Anfragen auf die Einschätzung einer einzelnen Gemeinde, eines Vereins oder einer Person hinauslaufen, beschreibe ich weiter unten, wie ich eine solche Einordnung anlege.

Beste Grüße
Engin Karahan


Neu im Blog

Die zweite Öffentlichkeit

In der Analyse stelle ich einander gegenüber, was IGMG, DITIB und ATİB auf ihren Websites auf Deutsch und was sie auf Türkisch veröffentlichen. IGMG und DITIB führen zwei getrennte Sprachschienen, wobei der Abstand zwischen beiden bei der IGMG seit 2022 größer geworden ist. Die ATİB hat ihre deutschsprachige Öffentlichkeit mit dem Neuaufbau ihrer Website im Sommer 2026 bis auf wenige Reste aufgegeben. Das Impulspapier steht auch als PDF bereit.

Wer mit wem am Tisch sitzt

Seit August ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Ankara gegen die Führung der Süleymancı-Gemeinschaft, aus der der VIKZ hervorgegangen ist. Der türkische Innenminister verwies dabei schon am ersten Tag auf den Kölner Neubau des Verbands. Wer in Deutschland Runde Tische, Friedenswege oder Beiräte mit muslimischen Verbänden organisiert, wird diesen Konflikt zu spüren bekommen, obwohl keine deutsche Stelle an ihm beteiligt ist. Der Beitrag erinnert an das Muster aus den Jahren nach 2016 und beschreibt, wie Kommunen und Kirchen sich darauf einstellen können.

Antrittsbesuch in Hannover

Der neue DITIB-Vorsitzende Ramazan Ilıkkan hat die EKD besucht, worüber beide Seiten freundlich berichtet haben. Keine der beiden Meldungen sagt, dass er zuvor als Religionsattaché, als Mufti und zuletzt als Abteilungsleiter in der Zentrale der türkischen Religionsbehörde gearbeitet hat. Der Beitrag fragt, worüber bei weiteren Treffen zu sprechen wäre.


Format vorgestellt

Akteure und Verbände einordnen

Bevor eine Kommune, eine Stiftung, ein Träger oder eine Redaktion mit einer muslimischen Gemeinde, einem Verein oder einer Person zusammenarbeitet, sie fördert oder über sie berichtet, will sie wissen, mit wem sie es zu tun hat. Ich trage dafür zusammen, welchem Verband eine Gemeinde angehört, wo in der Organisation entschieden wird und welches Mandat das Gegenüber dort hat. Außerdem vergleiche ich, was ein Verband auf Deutsch veröffentlicht, mit dem, was er in der Sprache des Herkunftslands an die eigene Basis richtet. Diesen Vergleich habe ich in „Die zweite Öffentlichkeit“ für drei Verbände im Ganzen durchgeführt.

Grundlage ist ausschließlich öffentlich zugängliches Material, also das, was eine Organisation oder Person selbst veröffentlicht hat. Zu jeder Einstufung liefere ich die Quellen mit, damit Sie Ihre Entscheidung gegenüber Rat, Vorstand oder Öffentlichkeit begründen können. Je nach Frage und Zeitrahmen erhalten Sie die Einordnung im Gespräch, als schriftliche Kurzeinschätzung oder als Gutachten. Oft stellen sich Bedenken dabei als unbegründet heraus, manchmal ergibt die Prüfung auch, dass Auflagen angebracht sind. Welche Folgen Sie daraus ziehen, entscheiden Sie selbst, denn Sanktionen verhänge oder formuliere ich nicht.

Zum Beratungsfeld auf ethos-polis.info


Videoreihe Behind the Feed

Viele Videos, mit denen islamistische Influencer auf TikTok, Instagram und YouTube um junge Menschen werben, beginnen mit einer Alltagsfrage oder einer bewegenden Geschichte, während ihre eigentliche Botschaft erst im letzten Satz steckt. Die Videoreihe Behind the Feed nimmt sich in jeder Folge eines dieser Videos vor und untersucht, wie es gebaut ist, ohne darüber zu urteilen, ob ein Glaube richtig oder falsch ist. Sie entsteht im Projekt Digitale Resilienz der Alhambra Gesellschaft, das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert wird. Gesprochen hat die bisherigen Folgen Murat Kayman.

Am 20. Oktober ist das Einführungsvideo erschienen, am 23. Oktober die erste Analysefolge „Die Geschichte mit dem Haken“. Sie zeigt, wie ein TikTok-Video die Rührung über die Geschichte von drei sterbenden Gefährten des Propheten, die einander ihr Wasser überlassen, in Scham und Schuld verwandelt und dieser Schuld am Ende einen Feind gibt. Zu den Folgen bereiten wir Handreichungen für Lehrkräfte und Fachkräfte der Jugendarbeit vor.

Einführungsvideo · Die Geschichte mit dem Haken


Anstehende Veranstaltungen

    1. November 2026 · Fachtagung „Zwischen Sensibilität und Klarheit“ · Recklinghausen · Vortrag zu Religionsfreiheit und Islamismus im Schulkontext
    1. November 2026 · Internationale Konferenz „Auf der Suche nach Orientierung“ · Berlin · Kurzvortrag in der Session „Rassismuserfahrungen und Männlichkeit“
    1. bis 9. Dezember 2026 · Tagung „Was hält die postmigrantische Gesellschaft zusammen?“ · Evangelische Akademie Loccum · für das Abschlusspodium vorgesehen
    1. April 2027 · Fachtagung zur Zukunft der Wohlfahrtspflege · Impuls und Workshop

Kontakt / Anfrage

Wenn Sie eine Beratung, eine Fortbildung oder einen Vortrag planen, erreichen Sie mich über die Kontaktseite. Das Erstgespräch dauert 30 Minuten und ist kostenfrei.

 
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