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Ethos & Polis Newsletter vom 25.09.2026

Wer spricht für wen: der Abschluss der FEX-Reihe zu neuen Akteuren jenseits der Verbände, die IGMG-Debatte um Sindelfingen, Prävention nach dem CSD-Anschlag, KI als Werkzeug für alle und die Ankündigung eines Essays zu Ehl-i Kıble.
Veröffentlichungsdatum

25. September 2026

Editorial

Wer spricht für wen? Die Frage zieht sich durch diese Ausgabe. Im dritten und letzten Teil der FEX-Reihe ging es darum, mit wem Politik und Verwaltung zusammenarbeiten können, wenn sie Menschen mit Einwanderungsgeschichte erreichen wollen. Die übliche Antwort für Muslime, die Moscheeverbände, greift oft zu kurz. Die muslimische Wohlfahrt, die sich die Politik von den Verbänden erhofft, arbeitet längst in eigenständigen Fachvereinen. Wie wenig die Selbstbeschreibung eines Verbands über seinen tatsächlichen Zustand verrät, zeigt der Beitrag zur IGMG und zur Moschee in Sindelfingen. Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD geht es außerdem um die Grenzen der Prävention, die weder Gedanken lesen noch Sicherheitsbehörden ersetzen kann.

Am Montag erscheint außerdem ein Essay, der auf den Vortrag bei der Jahreskonferenz des International Council of Christians and Jews in Hannover zurückgeht. Er beschreibt, wie die frühe islamische Theologie mit Ehl-i Kıble ein Verfahren entwickelt hat, um mit Differenz zu leben, ohne einander auszuschließen, und was dieses Verfahren dem interreligiösen Gespräch anbieten kann.


Neu im Blog

  • IGMG: Kein Verband im Übergang · Die Baugenehmigung für die Sindelfinger Millî-Görüş-Gemeinde ist baurechtlich richtig. Das Bild einer IGMG mitten in einer Generationendebatte beschreibt dagegen einen Zustand, der seit 2011 nicht mehr besteht.

  • Prävention ist keine Gesinnungsprüfung · Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD wird erneut über Gefährder und Deradikalisierung diskutiert. Prävention kann weder Gedanken lesen noch Sicherheitsbehörden ersetzen, und Moscheegemeinden schützen nicht schon durch ihre Existenz vor Radikalisierung.

  • KI darf kein Vorsprung für die ohnehin Starken bleiben · An den Sozialgerichten in Rheinland-Pfalz gehen mit KI erstellte Schriftsätze ein, die mehr Arbeit machen, als sie ersparen. Einen Chatbot öffnen zu können heißt noch nicht, ihn kompetent zu nutzen, und diese Kompetenz ist sozial ungleich verteilt. Schulen, Weiterbildung, Arbeitgeber und Verwaltung müssen Gelegenheiten schaffen, sie zu erwerben.

  • Ab Montag, 28. September: Ehl-i Kıble: Ein Verfahren, um Differenz auszuhalten · Auf die Frage, was Liturgie über Umkehr, Heilung und Versöhnung lehrt, gibt es keine einzelne muslimische Antwort. Der Essay ordnet sechs Positionen, beschreibt vier Pathologien und stellt ein frühes theologisches Verfahren vor, das auch interreligiös trägt. Die englische Fassung, Ehl-i Kıble: A Procedure for Living with Difference, folgt am Mittwoch, 30. September.


Format vorgestellt

Ansprechpartner im Wandel: Wer spricht heute noch für wen?

Viele Kommunen reden seit Jahrzehnten mit den großen Moscheeverbänden und erreichen damit die Basis, vor allem die Jugend, immer seltener. Der Workshop für Integrationsbeauftragte, Verwaltung, Parteien und Stiftungen zeichnet die neue Landkarte der Akteure, entwickelt Kriterien, um Legitimation zu prüfen, und zeigt Modelle für Beiräte und Runde Tische, die die reale Vielfalt der Stadtgesellschaft abbilden.

Zum Format auf ethos-polis.info


Berichte vergangener Veranstaltungen

FEX-Online-Lunch, 23. September 2026 · „Jenseits der Verbände“

Teil 3 schloss die Reihe der Fachstelle Extremismusdistanzierung Baden-Württemberg ab. Engin Karahan zeigte, warum ein muslimischer Wohlfahrtsverband auf Basis der Moscheeverbände wenig verspricht, weshalb gerade die fachlich stärksten Kräfte in eigene Vereine abwandern und wie Tandems mit etablierten Trägern fair gestaltet werden können.

ICCJ International Conference, 13. Juli 2026 · „Umkehr, Heilung und Versöhnung“

Im Plenum der Jahreskonferenz des International Council of Christians and Jews in Hannover zeichnete Engin Karahan das muslimische Feld in sechs Positionen nach und bot mit Ehl-i Kıble ein Verfahren an, das theologische Differenz aushält.


Anstehende Veranstaltungen

  • 17. November 2026 · Recklinghausen · Fachtagung „Zwischen Sensibilität und Klarheit“ zu Religionsfreiheit, Polarisierung und Islamismus im Schulkontext. Vortrag von Engin Karahan zu der Frage, wie pädagogische Fachkräfte religiöse Freiheit achten und islamistische Ideologien erkennen können, ohne zu pauschalisieren.

  • 20. November 2026 · Berlin · Internationale Konferenz „Auf der Suche nach Orientierung: Junge Männer zwischen Manosphere und positiver Männlichkeit“. Kurzvortrag von Engin Karahan in der Session „Rassismuserfahrungen und Männlichkeit“: Wie Manosphere-Influencer und islamistische Akteure dieselbe Kränkung aufgreifen und dasselbe Angebot von Stärke, Würde und Zugehörigkeit machen.

  • 7.–9. Dezember 2026 · Evangelische Akademie Loccum · Tagung „Was hält die postmigrantische Gesellschaft zusammen?“. Engin Karahan ist für das Abschlusspodium „Brauchen wir neue Narrative? Zukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts“ vorgesehen.

  • 28. April 2027 · Impuls und Workshop auf einer Fachtagung zur Zukunft der Wohlfahrtspflege: Wen erreichen Organisationen in einer veränderten Gesellschaft, und wer kommt an und bleibt?


Kontakt / Anfrage

Wenn Sie zu diesen Themen eine Fortbildung, Moderation, Beratung oder einen Workshop planen, erreichen Sie Ethos & Polis unter info@ethos-polis.info.

 
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