Arbeitsmarktintegration im öffentlichen Dienst – Impulsvortrag in Bergisch Gladbach

Zur Internationalen Woche gegen Rassismus in Bergisch Gladbach habe ich einen Impulsvortrag gehalten: Warum die Öffnung des öffentlichen Dienstes keine ideologische, sondern eine funktionale Frage ist.
Gesellschaft-Politik
Veranstaltung
Autor:in

Engin Karahan

Veröffentlichungsdatum

17. März 2026

Arbeitsmarktintegration im öffentlichen Dienst – Impulsvortrag in Bergisch Gladbach

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus (16.–29. März 2026) in Bergisch Gladbach habe ich am 17. März 2026 in der VHS Bergisch Gladbach einen Impulsvortrag mit anschließender Diskussion gehalten. Eingeladen hatte SoNett e.V. Mein Beitrag „Perspektiven der Arbeitsmarktintegration im öffentlichen Dienst” eröffnete eine Runde, in der danach Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung und Praxis über diskriminierungssensible Personalpolitik sprachen.

Worum es ging

Mein Ausgangspunkt war bewusst nicht moralisch, sondern funktional: Der öffentliche Dienst muss funktionieren – Rechtsstaatlichkeit, Daseinsvorsorge, Sicherheit. Wenn die Personaldecke fehlt, funktioniert nichts. Vor diesem Maßstab stellt sich die Frage: Woher kommt das Personal von morgen?

  • Der Pool hat sich verschoben. Rund 29,7 % der Menschen in Deutschland haben eine Einwanderungsgeschichte, in NRW haben 44,3 % der Schülerinnen und Schüler eine Migrationsgeschichte – das sind die Fachkräfte von morgen. In Bergisch Gladbach ist der Anteil von 25,8 % (2021) auf 29,2 % (2025) gestiegen, während die Gruppe ohne Migrationsgeschichte schrumpft.
  • Unterrepräsentation als Risiko. Nur etwa 11 % der Menschen mit Einwanderungsgeschichte arbeiten im öffentlichen Dienst – bei rund 30 % Bevölkerungsanteil. Selbst die Bundesverwaltung erreicht mit 16,2 % nur die Hälfte des Potenzials. Diskriminierungserfahrungen am Arbeitsplatz (23,9 % gegenüber 15,6 %) führen dazu, dass gute Kräfte seltener bleiben – ein Effizienz-, kein bloßes Fairnessproblem.
  • Barrieren sind oft strukturell, nicht böswillig: traditionelle Rekrutierungswege, unausgesprochene kulturelle Codes, übersehene Kompetenz und Aufstiegsbarrieren für „kulturell Passende”.
  • Auch das Ehrenamt ist betroffen. Feuerwehr, THW und Katastrophenschutz leben von Freiwilligen; die Engagementlücke (44,4 % gegenüber 27,0 %) trifft den Staat doppelt – im Haupt- und im Ehrenamt.

Meine Schlussfolgerung: Öffnung sichert Funktionsfähigkeit – aus Eigeninteresse, nicht aus Diversitäts-Lyrik. Konkret heißt das, Rekrutierung über bisherige Kanäle hinaus zu erweitern, unbeabsichtigte Barrieren systematisch zu prüfen, Kompetenz konsequent in den Mittelpunkt zu stellen, Ziele zu messen und Beschwerdestellen zu stärken. Zugleich entstehen in den Communities neue, fachspezifische und pragmatische Netzwerke – genau die Multiplikatoren, mit denen Institutionen kooperieren sollten, statt nur klassische Stellenanzeigen zu schalten.

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