Ethos & Polis Newsletter vom 10.07.2026
Editorial
Diversität wird meist als moralische Frage verhandelt, als Frage von Repräsentanz und Gerechtigkeit. Diese Ausgabe verschiebt den Blick auf die materielle Basis: Finden Institutionen in zehn Jahren noch genügend Menschen für ihre Aufgaben — in Verwaltung, Pflege, Sicherheit und Ehrenamt? Der Impuls aus der FEX-Reihe und sein Veranstaltungsbericht bilden dazu ein Doppel. Teil 1 klärt, wie groß die demografische Verschiebung tatsächlich ist und wie unterschiedliche Statistiken sie verdecken. Teil 2 fragt, warum Menschen mit Einwanderungsgeschichte im vereinsförmigen Ehrenamt unterrepräsentiert bleiben, obwohl aktuelle Zahlen den gängigen Reflex widerlegen.
Zwei weitere Beiträge ergänzen die Linie: eine Schweizer Studie darüber, warum junge Männer bessere Orientierung brauchen als moralische Belehrung, und der Start der Projektwebseite Digitale Resilienz, die islamistische Propaganda im Netz methodisch analysierbar macht.
Neu im Blog
Funktionserhalt statt Diversitäts-Lyrik — Fast jedes zweite Kind in NRW hat eine Zuwanderungsgeschichte. Ob eine Institution ihren Auftrag noch erfüllen kann, ist keine moralische, sondern eine funktionale Frage — und die Statistik verdeckt sie je nach Bundesland unterschiedlich stark.
Wenn Männlichkeit zur bedrohten Identität wird — Eine Schweizer Studie zeigt, warum junge Männer auf bedrohte Identität mit Rückzug oder Radikalisierung reagieren und welche Orientierungsangebote wirken, wo moralische Appelle scheitern.
Projektwebseite Digitale Resilienz ist online — behind-the-feed.de bündelt Analyse, Bildungsformate und aktuelle Publikationen zur islamistischen Online-Szene: vom Trendreport bis zum inokulationsbasierten Präventionsansatz.
Format vorgestellt
Workshop: Radikalisierungsprävention und digitale Resilienz — Männlichkeitsbilder, islamistische Online-Narrative
Für Fachkräfte aus Jugendarbeit, Schule und Prävention: Wie erkennt man Männlichkeitsnarrative und islamistische Adaptionen westlicher Manosphere-Muster in sozialen Medien — und wie führt man Gespräche, die orientieren, statt zu moralisieren?
Zum Leistungsbereich auf ethos-polis.info
Berichte vergangener Veranstaltungen
FEX-Online-Lunch, 9. Juli 2026 — „Die gespaltene Realität”
Teil 2 der FEX-Reihe knüpfte an den Auftakt im Mai an. Am Kontrast von Pflege und Feuerwehr zeigte Engin Karahan, warum die Lücke entsteht: nicht am Willen oder am Vertrauen, sondern an der vereinsförmigen Gestalt des Engagements und an unterschiedlichen Staatsbildern.
Anstehende Veranstaltungen
13. Juli 2026 · Hannover — ICCJ International Conference 2026, Plenary Session „Repentance, Repair, and Reconciliation”: Engin Karahan im Podium zum jüdisch-christlich-muslimischen Dialog (Jahreskonferenz 12.–15. Juli). Programm & Anmeldung
23. September 2026 · Online — FEX-Online-Lunch: „Jenseits der Verbände – Neue Akteure, alte Blockaden”. Teil 3 der Reihe richtet den Blick auf neue Akteure jenseits der Verbände. Programm & Anmeldung
7.–9. Dezember 2026 · Evangelische Akademie Loccum — Tagung „Was hält die postmigrantische Gesellschaft zusammen?“. Engin Karahan ist für das Abschlusspodium „Brauchen wir neue Narrative? Zukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts” vorgesehen.
Kontakt / Anfrage
Wenn Sie zu diesen Themen eine Fortbildung, Moderation, Beratung oder einen Workshop planen, erreichen Sie Ethos & Polis unter info@ethos-polis.info.