Männlichkeitsbilder zwischen Tradition und Radikalisierung – Lehrerfortbildung in Berlin

Fortbildung für Berliner Lehrkräfte beim BLiQ: Wie extremistische Akteure Männlichkeit instrumentalisieren, wie westliche Manosphere-Muster islamisiert werden – und was Schule dem entgegensetzen kann.
Praevention-Resilienz
Veranstaltung
Autor:in

Engin Karahan

Veröffentlichungsdatum

2. Dezember 2025

Männlichkeitsbilder zwischen Tradition und Radikalisierung – Lehrerfortbildung in Berlin

Am 2. Dezember 2025 habe ich beim Berliner Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung an Schulen (BLiQ) der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie eine Lehrerfortbildung zum Thema „Männlichkeitsbilder zwischen Tradition und Radikalisierung” gehalten. Adressiert waren Lehrkräfte, die in ihrem Schulalltag täglich mit den Sozialisationsräumen junger Männer konfrontiert sind – und die selten Gelegenheit haben, diese Räume systematisch in den Blick zu nehmen.

Worum es ging

Der Vortrag ist drei Leitfragen nachgegangen: Wie instrumentalisieren extremistische Akteure Männlichkeit? Welche Online-Narrative prägen Jugendliche? Und gibt es tragfähige Gegenentwürfe?

Ein zentraler Befund: Viele der vermeintlich „traditionellen” Geschlechterbilder sind gar nicht originär religiös, sondern eine Islamisierung globaler Manosphere- und Red-Pill-Muster. Begriffe wie „High Value Man” oder „Hypergamie” werden aus westlichen Incel- und TradWife-Kontexten übernommen und nachträglich mit selektiven Versen oder Hadithen legitimiert – als konstruierter Neo-Traditionalismus, der sich als Rebellion gegen Feminismus und Gleichstellung inszeniert. An konkreten TikTok- und Instagram-Beispielen (etwa „Masculine Muslim”, „The Sunnah Guy”, „Deenathletic”) habe ich gezeigt, wie Disziplinierung von Frauen, ein rigides Männerideal, Queerfeindlichkeit als Brückennarrativ und eine Ästhetik der Brüderlichkeit ineinandergreifen – psychologisch gut gebaut, algorithmisch belohnt, anschlussfähig bis in jihadistische Ränder.

Den größeren Teil habe ich der Prävention gewidmet: agile, eigenständige Online-Formate statt reiner Gemeindestrukturen, eine doppelte Antwort (theologisch fundiert und säkular-bürgerrechtlich) und eine Ent-Ideologisierung des Diskurses – nicht jede Frage junger Männer ist religiös zu lösen. Und ein positiver Gegenentwurf zu „starker” Männlichkeit: Stärke als Verantwortung, Empathie, Selbstbeherrschung und Gerechtigkeit – mit konkreten Skills wie Emotionen benennen, Grenzen wahren, Konflikte fair lösen. Für die Schule heißt das: Schul-AGs, Präventionsfachkräfte und mobile Formate mit Social-Clip-Anbindung sind oft wirksamer als der erhobene Zeigefinger.

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