Schulen verlieren an Einfluss, während Social Media zum primären Bildungsort für normative Fragen wird. Auf dem 9. Dialogforum des Bundesministeriums habe ich über die Risiken toxischer Männlichkeitsbilder und die Notwendigkeit digitaler Gegen-Narrative gesprochen.
Am 20. November 2025 kamen in Berlin Fachleute aus Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft zum 9. Dialogforum „Integration durch Bildung“ zusammen. Im Zentrum stand eine drängende Frage: Wie können wir die Bildungschancen von Jungen und jungen Männern mit Migrationsgeschichte verbessern und warum schneiden sie im Leistungsvergleich oft schlechter ab?
In meinem Vortrag unter dem Titel „Digitale Bildungsräume und Männlichkeitsbilder“ habe ich einen Paradigmenwechsel skizziert: Die wirkmächtigste „Bildung“ zur Identitätsfindung junger Männer findet heute nicht mehr im Klassenzimmer statt, sondern in den hochgradig professionalisierten Ökosystemen sozialer Medien wie TikTok oder Instagram.
Social Media als „heimlicher Lehrplan“
Für viele Jugendliche ist Social Media kein reiner Zeitvertreib, sondern ein kuratierter Lernraum für Orientierung. Das Problem: Oft fungieren Influencer als primäre Bildungsakteure, die unter dem Deckmantel von „Self-Improvement“ und „Business-Coaching“ toxische Weltbilder vermitteln.
In meiner Analyse habe ich aufgezeigt, wie globale Trends der sogenannten „Manosphere“ (wie die Red-Pill-Bewegung) mit einer religiösen „Verpackungen“ Zugang zu neuen Milieus finden können und dabei von islamistischen Akteuren eingesetzt werden. Begriffe wie der „Provider“ (Versorger) werden genutzt, um Dominanz und Kontrolle als religiöse Pflicht („Ghirah“/Eifersucht) umzudeuten und Frauenrechte abzuwerten. Diese Narrative isolieren junge Männer zunehmend von der Mehrheitsgesellschaft und sabotieren ihre Bildungsbiografien, da Empathie und Teamfähigkeit – Schlüsselkompetenzen im modernen Beruf – als Schwäche abgewertet werden.
Einen kurzen Ausschnitt aus der Zusammenfassung des Dialogforums zu meinem Beitrag finden Sie hier:

Vom Defizit zum Potenzial
Mein Plädoyer auf dem Forum: Wir dürfen diesen digitalen Raum nicht Akteuren überlassen, die antidemokratische Ziele verfolgen. Stattdessen müssen wir auf diese Jugendlichen auf der Suche nach Halt zugehen. Wir benötigen digitale Gegen-Narrative, die plattformgerecht und ästhetisch ansprechend sind. Gleichzeitig braucht es authentische, analoge Begegnungsräume jenseits starrer Strukturen, um Beziehungen aufzubauen, die immunisieren können.
Vertiefende Informationen und Angebote
Eine detaillierte Analyse der Mechanismen digitaler Bildungsräume habe ich in meinem Fachartikel zusammengestellt: Zum Artikel: Digitale Bildungsräume und Männlichkeitsbilder
Für Fachkräfte und Institutionen biete ich zudem vertiefende Workshops an, die konkrete Strategien gegen Radikalisierungstendenzen und toxische Männlichkeit vermitteln: Zum Workshop-Angebot
Den vollständigen Tagungsbericht sowie weitere Informationen zum 9. Dialogforum finden Sie auf der Seite des Projektträgers: Zur Veranstaltungsdokumentation
Hintergrund: Das Dialogforum „Integration durch Bildung“
Das 9. Dialogforum ist Teil einer etablierten Reihe, die als zentrales Austauschformat auf Bundesebene initiiert wurde. Hier werden bildungsbezogene Integrationsthemen aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. Das Ziel ist es, den Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis zu stärken: Neue Forschungsergebnisse treffen auf bewährte „Best Practices“ aus der Bildungslandschaft.
Ein signifikantes Detail der aktuellen Ausrichtung ist die institutionelle Verortung: Während die Reihe ursprünglich im Kontext des Bundesforschungsministeriums (BMBF) startete, liegt die Verantwortung nun beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).
Wissen vertiefen & Handlungskompetenz stärken
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