Das Wahlparadox: Warum migrantische Milieus rechtspopulistische Parteien wählen
Anforderungen
- Interesse an politischer Bildung und Migrationsforschung
- Bereitschaft zur differenzierten Analyse komplexer Phänomene
- Keine speziellen Vorkenntnisse erforderlich
Ziel-Kompetenzen
- Sie verstehen transnationale Einflüsse auf das Wahlverhalten migrantischer Communities
- Sie können soziale Abgrenzungsmechanismen zwischen Migrantengruppen erkennen
- Sie kennen die Rolle konservativer Werteorientierungen bei der Parteiwahl
- Sie verstehen, wie externe Narrative religiös inkorporiert werden
- Sie können Protestwahlmotive und Wagenburg-Mentalität einordnen
- Sie haben Ansätze für eine differenzierte Ansprache in der politischen Bildung
Ziel-Gruppen
- Fachkräfte der politischen Bildung
- Mitarbeitende in Integrationsarbeit und Migrationsberatung
- Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter:innen
- Akteure in Migrantenselbstorganisationen
- Journalist:innen und Wissenschaftler:innen
- Parteien und politische Stiftungen
19,7 % der Befragten mit Bezügen zur Türkei und MENA-Region können sich vorstellen, die AfD zu wählen – eine Partei mit migrationsfeindlicher Agenda. Dieses Seminar analysiert das Paradox: Transnationale Einflüsse, konservative Werteorientierungen, Protestmotive und soziale Abgrenzungsdynamiken. Fachkräfte lernen, dieses Phänomen zu verstehen und in ihrer Arbeit zu adressieren.
Ein irritierendes Phänomen
Die Bundestagswahl 2025 hat ein ungewöhnliches Bild gezeigt: Ein signifikanter Anteil der Stimmen für die AfD kam aus migrantischen Communities – darunter türkei-, bosnisch- und marokkanischstämmige Wähler. Die DeZIM-Kurzstudie prognostizierte, dass 19,7 % der Befragten mit Bezügen zur Türkei und dem Nahen Osten die AfD wählen würden. Doch was motiviert Menschen mit Migrationserfahrung dazu, eine Partei zu wählen, die migrationsfeindliche Politik betreibt?
Transnationale Einflüsse verstehen
In Herkunftsländern wie der Türkei hat sich ein parteiübergreifender, flüchtlingsfeindlicher Diskurs etabliert, der durch soziale Medien direkt in die Communities in Deutschland übertragen wird. Was in Deutschland in der Migrationsfrage als radikal gilt, ist in der Türkei oft politischer Alltag. Diese transnationalen Diskurse prägen die Haltung vieler Wähler – über religiöse und politische Grenzen hinweg.
Soziale Abgrenzung und Positionierung
Etablierte Migrantengruppen grenzen sich häufig von neu angekommenen Geflüchteten ab – aus Syrien, Afghanistan oder Südost-Europa. Diese Abgrenzung dient oft dazu, die eigene soziale Position zu stabilisieren. Selbst die gemeinsame Religion schützt dabei nicht vor ausgrenzenden Haltungen.
Werte, Identität und „inkorporierte“ Narrative
Viele migrantische Wähler teilen konservative Ansichten zu Familie, Geschlechterrollen und Sexualität. Der anti-queere Diskurs der AfD findet Anklang, da er mit bestehenden kulturellen und religiösen Vorbehalten korrespondiert. Interessant ist dabei, wie Motive aus identitären oder diversitätsfeindlichen Kontexten – darunter Incel-Narrative – durch religiöse Rahmungen inkorporiert werden und so als Teil einer vermeintlich authentischen Tradition erscheinen.
Protestwahl und Wagenburg-Mentalität
Frustration über fehlende Repräsentation kann zu einer destruktiven Protestwahl führen. Die Erfahrung von Diskriminierung wird dabei nicht als Anlass für gesellschaftliche Teilhabe gesehen, sondern als Rechtfertigung für Rückzug und Abgrenzung. Das Gefühl, von der deutschen Gesellschaft ausgeschlossen zu sein, führt zu einer bewussten Distanzierung – bis hin zur Ablehnung der Gesellschaft als identitätsstiftendem Merkmal.
Was Sie in diesem Seminar lernen:
- Transnationale Dynamiken: Wie beeinflussen Diskurse aus Herkunftsländern das Wahlverhalten?
- Soziale Mechanismen: Warum grenzen sich etablierte Migranten von Neuankömmlingen ab?
- Werteanalyse: Welche konservativen Orientierungen machen rechtspopulistische Parteien anschlussfähig?
- Protestmotive verstehen: Was treibt destruktive Wahlentscheidungen an?
- Implikationen für die Praxis: Was bedeutet das für politische Bildung und Prävention?
- 7 Sections
- 23 Lessons
- 1 Day
- Einstieg3
- Modul 13
- Modul 23
- Modul 33
- Modul 44
- Modul 54
- Abschluss3
Engin Karahan ist Gründer von Ethos & Polis und berät Organisationen in Fragen der Konfliktkultur, Vielfaltsgestaltung und professionellen Kommunikation. Er verbindet strategische Analyse mit praktischer Umsetzung und hat langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Teams aus Sozialer Arbeit, Verwaltung und Politik.
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